Heliumknappheit setzt Labore und NMR-/MRT-Einrichtungen unter Druck.
Wer in einem Forschungslabor oder einer radiologischen Einrichtung arbeitet, kennt das ungute Gefühl, wenn Verbrauchsmaterialien knapp werden. Was sich gerade auf dem globalen Heliummarkt abspielt, ist aber eine andere Größenordnung — und es betrifft uns alle direkt.
Raketenangriffe auf Katar haben ein Drittel der weltweiten Heliumversorgung lahmgelegt
Ende Februar 2026 schlugen iranische Raketen in Ras Laffan Industrial City in Katar ein — dem weltweit größten Flüssigerdgas-Exportterminal. Die Folgen sind gravierend: Katar produziert rund ein Drittel des weltweiten Heliums. Nach den Angriffen stellte QatarEnergy die gesamte Produktion ein und erklärte, sie werde erst dann wieder aufgenommen, wenn die Sicherheit in der Straße von Hormus gewährleistet ist. Die Straße ist derzeit durch den Iran-Konflikt blockiert — und es ist unklar, wann sich das ändert.
Das Ergebnis: Ungefähr 30 Prozent der weltweiten Heliumversorgung sind praktisch über Nacht weggefallen. Erste Lieferanten in den USA melden bereits Kürzungen von bis zu 50 Prozent an ihre Kunden.
NMR- und MRT-Geräte laufen auf Helium — und es gibt keinen schnellen Ersatz
Helium ist für viele Anwendungen schlicht nicht ersetzbar. Kein anderes Element erreicht die Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt, die supraleitende Magnete in NMR-Spektrometern und MRT-Geräten benötigen. Konkret bedeutet das:
Ein einzelner MRT-Scanner braucht für seinen Betrieb rund 1.500 Liter flüssiges Helium — und regelmäßige Nachfüllungen über die gesamte Lebensdauer des Geräts. Fällt die Versorgung aus, droht nicht nur der Stillstand, sondern im schlimmsten Fall eine irreversible Beschädigung des supraleitenden Magneten — einem der teuersten Bauteile überhaupt.
Für NMR-Labore ist die Situation ähnlich kritisch. Steigende Heliumpreise haben in den vergangenen Jahren bereits dazu geführt, dass Universitätslabore in den USA NMR-Anlagen schließen mussten. Was damals ein schleichendes Problem war, kann sich jetzt schnell zuspitzen.
Für Labore, deren Instrumente noch in Betrieb sind, zählt jede Messung. Die Verwendung passgenau abgestimmter NMR- und EPR-Röhrchen – mit der richtigen Glasart und der korrekten Frequenzspezifikation – reduziert die Anzahl fehlgeschlagener Messläufe sowie die Notwendigkeit, Experimente zu wiederholen; dies ist von entscheidender Bedeutung, wenn die verfügbare Betriebszeit begrenzt ist.
Die Zahlen sprechen für sich: Heliumpreise sind seit Ausbruch des Konflikts um 50 bis 70 Prozent gestiegen. Das Gesundheitswesen konkurriert dabei direkt mit der Halbleiterindustrie — dem aktuell größten Heliumverbraucher weltweit, angetrieben durch den KI-Boom. Krankenhäuser mit regulierten Preisstrukturen und engen Margen haben in diesem Bieterwettbewerb strukturelle Nachteile.
Flüssiges Helium lässt sich nicht lagern wie Öl oder Getreide
Flüssiges Helium lässt sich nicht einfach lagern. Es muss in hochspezialisierten Kryobehältern bei annähernd absolutem Nullpunkt transportiert werden — weltweit stehen dafür nur rund 6.000 solcher Container zur Verfügung. Selbst die besten Behälter halten das Gas nur etwa 45 Tage, bevor es sich erwärmt, verdampft und entweicht. Das bedeutet: Helium-Lieferketten können Verzögerungen kaum abfedern, wie es Öl- oder Getreidemärkte könnten. Jeder gestrandete Container in Katar ist nicht nur verlorenes Helium — er fehlt gleichzeitig als Transportkapazität im gesamten globalen Netzwerk.
Rund 200 Kryobehälter sind derzeit in oder nahe Katar gestrandet. Sie können nicht anderswo befüllt werden.
Sechs Schritte, die Labore und Kliniken jetzt einleiten sollten
Abwarten ist keine Strategie. Wer jetzt handelt, schafft sich einen Vorsprung:
Helium-Rückgewinnung prüfen: Moderne Rückgewinnungssysteme können bis zu 90 Prozent des verwendeten Heliums zurückgewinnen. Wer noch kein solches System betreibt, sollte die Investition ernsthaft kalkulieren — besonders angesichts der aktuellen Preisentwicklung.
Bestände realistisch bewerten: Wie lange reicht der aktuelle Vorrat? Wann ist der nächste reguläre Nachfülltermin — und ist der noch realistisch? Diese Fragen sollten jetzt, nicht in drei Monaten, beantwortet werden.
Lieferanten aktiv kontaktieren: Warten auf die nächste Routinelieferung kann riskant sein. Direkte Kommunikation mit Lieferanten gibt Klarheit über Verfügbarkeit und mögliche Kontingentierungen.
Mess- und Analysemethoden überdenken: Lassen sich bestimmte Experimente oder Diagnostikprozesse vorübergehend priorisieren, zurückstellen oder mit alternativen Methoden durchführen? Ein offener Blick auf das eigene Arbeitsprogramm kann helfen, kritische Kapazitäten zu schonen.
GC-Labore, die derzeit Helium als Trägergas verwenden, können ohne größere instrumentelle Anpassungen auf Wasserstoff oder Stickstoff umstellen – und viele vollziehen diesen Schritt bereits. Unsere Kapillarsäulen für die Gaschromatographie (GC) funktionieren mit allen drei Trägergasen reibungslos.
Die Krise ist noch nicht da — aber das Zeitfenster zum Handeln schließt sich
Phil Kornbluth, einer der führenden Helium-Marktexperten, beschreibt die Lage treffend: Es ist wie ein sonniger Tag am Strand, während draußen auf dem Meer ein Tsunami unterwegs ist. Noch spürt man nichts — aber wer jetzt wartet, hat später weniger Optionen.
Langfristig wird die Branche heliumfreie Alternativen weiterentwickeln. Philips, GE HealthCare und Siemens Healthineers arbeiten bereits an MRT-Systemen mit drastisch reduziertem oder ganz ohne Heliumverbrauch. Aber diese Geräte ersetzen nicht den bestehenden Maschinenpark — und auf kurze Sicht ändert das an der aktuellen Versorgungslage nichts.
Bei Haeberle Labortechnik verstehen wir, welchen Druck diese Situation für Forschungseinrichtungen, Kliniken und Analysenlabore bedeutet. Wenn Sie Fragen zu NMR-Zubehör, Vakuumtechnik oder Alternativen in Ihrer Laborkette haben — wir sind für Sie da.